Dresdner Neumarkt und die Frauenkirche

Frauenkirche - Foto: die-infoseiten.deKein anderes Gebäude der Stadt steht mit größerer Symbolkraft für Dresden als die wieder aufgebaute Frauenkirche, wohl keine andere Weihe wurde mit größerer Emotionalität begangen wie die des Wahrzeichens im Jahr 2005. Und kein anderer Ort in Dresden hat die Gemüter der Bewohner und Gäste so berührt wie das Areal rund um den Neumarkt. So entstand hier in den vergangenen Jahren ein neues Viertel – der Neumarkt mit angrenzenden Gassen – nach historischem Vorbild, aber durchaus auch mit modernen, sich in die historische Baustruktur eingliedernden Elementen.

Auch wenn die letzte Baustelle längst noch nicht abgeschlossen ist und Kritiker das großartige Potential des Platzes noch nicht genügend ausgenutzt sehen, hat die Stadt endlich wieder, was ihr lange Zeit fehlte: eine neue, alte Mitte. Die sogenannte „gute Stube Dresdens“, von der uns unsere Großeltern mit einer Faszination erzählten, die unsere Generation wegen der Tristheit des unbebauten Platzes lange nicht nachvollziehen konnte. Eine Faszination, die für uns nun, mit Blick auf das neu Entstandene, aber nachvollziehbar wird. Die Entwicklung des Areals ist längst nicht abgeschlossen und es wird spannend sein, sie in den nächsten Jahren mit zu gestalten und zu verfolgen.

Bemerkenswerter Wiederaufbau

Mit unglaublicher Liebe zum Detail wurden die Frauenkirche und die Gebäude ringsum neu errichtet. Da sind beispielsweise die für Dresdner Bürgerhäuser typischen Mansardendächer, oder den Trümmern entrissene Ornamente, die nun in den Neubauten integriert wurden und viele andere Einzelheiten, deren vollständige Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde.

Achten Sie doch bei Ihrem nächsten Bummel über den Neumarkt einmal auf folgende Details:

Frauenkirche

Hinlänglich bekannt ist, dass beim Wiederaufbau der Frauenkirche alte Steine sowie die verbliebenden Ruinenteile mit integriert wurden. Betrachtet man aus Richtung Salzgasse den erhalten gebliebenen Choranbau, sieht man einen Riss gleich einer Wunde, der, natürlich statisch gesichert, auch zukünftig mahnen und erinnern soll.

Das Kinderfries

Am Erker der Schützresidenz wurde das um 1535 entstandene Kinderfries wieder hergerichtet. Das Haus erhielt seinen Namen von Komponist Heinrich Schütz, der im 17. Jahrhundert hier wohnte. Das Fries wurde 1945 aus den Trümmern gerettet und zierte seit 1960, in Teile zerlegt, das Geschäftshaus Gewandhausgasse / Ecke Ringstraße. Nun sind die sandsteinernen Kinder an ihren ursprünglichen Bestimmungsort Frauenstraße / Ecke Neumarkt zurück gekehrt.

Salomonisapotheke

ehem. Salomonis-Apotheke - Foto: die-infoseiten.deAm Neumarkt / Ecke Landhausstraße befand sich die Salomonisapotheke von Friedrich Adolf Struve – Erfinder des künstlichen Mineralwassers (s.a. Ausgabe Januar- Februar 2009). Für einige Monate arbeitete hier auch Theodor Fontane als Apothekergeselle. Das Gebäude entstand nach altem Vorbild neu. Die Hausecke Landhausstraße ziert, wie damals, das Abbild des Königs Salomon. Hierbei handelt es sich allerdings um eine Kopie. Das aus Trümmerschutt geborgene und lange verschollene Original befindet sich im Innenbereich.

Der Krellbrunnen

ist benannt nach dem kurfürstlich-sächsischen Kanzler Nikolaus Krell – sprudelt heute An der Frauenkirche 16/17 im Innenhof. Einst hatte er in der Moritzstraße sein zu Hause. Vom Original waren die Reliefplatten erhalten, die aufwändig rekonstruiert wurden. Das Wasserbecken wurde nach historischem Vorbild neu gebaut. Nikolaus Krell war Kanzler unter Kurfürst Christian I. von Sachsen. Als Anhänger des sogenannten Calvinismus wurde er nach jahrelanger Festungshaft auf Königstein im Jahr 1601 auf dem Neumarkt hingerichtet.

Köhlersches Haus

Das Gebäude Frauengasse 14 wurde im 18. Jahrhundert für den Weinbergbesitzer und Weinhändler Johann Köhler erbaut. Köhler wohnte hier und hatte selbst einen Weinausschank im Haus. Es zierte ein reich dekoriertes Portal, das die Arbeit im Weinberg versinnbildlichte. Die Figur in der Mitte hat einen Kopf mit zwei Gesichtern. Er stellt Herbst und Erntezeit (alter Mann) auf der linken Seite sowie Frühjahr und Aussaat (junge Frau) auf der rechten Seite dar. Der größte Teil des Portals musste neu gestaltet werden. Aber auch hier konnten erhaltene Stücke mit eingearbeitet werden. Sehr schön: diese Stücke sind farblich anders gestaltet und somit für den Betrachter erkennbar. Erkerrelief Rampische Straße 1 1716/17 wurde das repräsentative Eckhaus mit den über zwei Geschosse reichenden Erker erbaut. Die zahlreichen Stuckornamente wurden wieder neu angefertigt. Außer eines: Das große sandsteinerne Frauenkopfmotiv unterhalb des Balkons ist ebenfalls ein original erhaltenes Schmuckelement. An den Seiten wurde es der Fassade angepasst. Die Zeit bis zu seiner Rückkehr an die Fassade überdauerte das wertvolle Stück im Durchgang Neustädter Markt zur Rähnitzgasse.

Die Rampische Straße 29

… ist ein weiteres, ehrgeiziges Projekt der Gesellschaft historischer Neumarkt e.V.. Das schmale Gebäude soll mit Hilfe von Spenden engagierter Bürger in barocker Pracht wieder neu entstehen. Die Grundsteinlegung erfolgte im Dezember 2007, die Rohbauarbeiten für das zweite Obergeschoss haben begonnen. Ursprünglich wurde das barocke Bürgerhaus mit typischem Mansardendach in den Jahren von 1715 bis 1720 von Georg Haase erbaut. Nach der Zerstörung im Jahr 1945 und der darauf folgenden Schuttberäumung stand die Ruine des Hauses, wie auch anderer Gebäude rund um den Neumarkt, noch einige Jahre. Anfangs dachte man sogar über den Wiederaufbau verschiedener Häuser nach. Man entschied sich schlussendlich jedoch dagegen und so wurde das Gebäude Rampische Straße 29 im Jahr 1956 vollständig abgerissen.

Ein Bummel über den Neumarkt im Jahr 1927

Im folgenden wird ein Textauszug aus „Woerl´s Reisehandbücher – Dresden“ von 1927 zu einem Spaziergang über den Neumarkt zitiert. Begleiten wir den Autor gedanklich über den heutigen Platz: „… Durch die Landhausstraße am burgartigen, mit Rundtürmen geschmücken … Hauptpolizei-Amt … vorbei nach dem Neumarkt. Hier fällt zunächst die gewaltige Kuppel der Frauenkirche … auf, eines mächtigen Domes großartiger Wirkung. Die Kirche wurde 1726 – 1738 von Bähr erbaut und ist ein Meisterwerk feuerfesten Kirchenbaues. Bei der Beschießung im Jahre 1760 bewährte sich Bährs Werk aufs glänzendste; die Kugeln prallten ohnmächtig am Steinpanzer der gewaltigen Kuppel ab. Von der 95 m hohen Laterne herrlicher Überblick über Stadt und Umgebung. … Vor der Frauenkirche steht das am 31 . Oktober 1885 enthüllte Lutherdenkmal …; ferner in der Nähe das zum Andenken an den 1854 auf einer Reise durch Tirol verunglückten König Friedrich August II. im Jahre 1 866 errichtete Standbild … Hinter der Frauenkirche das Coselsche Palais aus dem 18. Jahrh., mit reizvoller Hofanlage. Ecke der Frauenstraße ein aus dem 16. Jahrh. stammender Erker …, Frauenstraße Nr. 14 schönes Portal mit reliefartigen, auf den Weinbau hinweisenden Verzierungen … An der Nordseite des Neumarktes steht das Museum Johanneum …, das 1586 – 1588 erbaut worden ist … Die Außenseite des „langen Stalles“, nach der Augustusstraße zu, war von 1876 bis 1906 mit dem von W. Walther ausgeführten Sgraffitofries „Fürstenzug“, alle Wettiner von Konrad dem Großen bis König Georg darstellend, geziert; infolge der Beschädigung der Wandmalerei durch Witterungseinflüsse wurde diese entfernt und durch eine Erneuerung auf Meißner Porzellanfliesen ersetzt. …“

Bericht aus Magazin die-infoseiten.de

Öffnungszeiten:

Mo – Sa 12 – 18 Uhr

25. – 26.08.2017 geschlossen

An der Frauenkirche 13
Salzgasse 2, 01067 Dresden

Telefon: 0351 – 48 45 200